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Oberschwäbische Sternfreunde von 1966 bis 1977 Schulsternwarte Ravensburg
Wann und wo fing es denn mit der Liebhaber-Astronomie in Ravensburg an? Anno 1914 wurde auf Vorschlag des Theologen und Mathematikers Dr. Max Caspar, der im Rohbau bereits vollendete Spohnschule, noch eine Sternwarte aufgesetzt. Man erzählt darüber folgende Anekdote: Als Oberstudiendirektor Dr. Schermann Caspers Idee dem damaligen Oberbürgermeister Reichle vortrug, habe dieser gesagt: “Lassen Sie das nur mich machen.“ Dem hochherzigen Stifter der Schule (Geh. Kommerzienrat Julius Spohn) gegenüber erwähnte er nur beiläufig, dass da so ein halbverrückter Lehrer vom Gymnasium auch noch eine Sternwarte für nötig halte, was aber doch wohl übertrieben sei. So habe er den Stifter allmählich immer mehr für die Sache interessiert, bis dieser schließlich sagte: „Schicken Sie den Mann zu mir; meine Schule soll eine Sternwarte bekommen!“ Dieses Wort habe ihn, so erzählte Spohn bei einem Rutenfest Ende der 50er Jahre im Bärengarten, 30 000 Goldmark gekostet. Die Kuppel hat einen Durchmesser von 3 Metern. Das erste Instrument war ein Refraktor mit 110mm Linsendurchmesser und 1650mm Brennweite. Er wurde erst 2004 von einem Spiegelteleskop mit 250 mm Durchmesser und goto Steuerung abgelöst.
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| Max Caspar wurde 1916 nach Rottweil Versetzt. Ende der 20er Jahre nach Stuttgart. 1932 verließ er den Schuldienst und widmete sich in München ganz seiner Kepler-Forschung. Er schrieb die bei weitem beste Keplerbiographie und hat Keplers Werke neu übersetzt herausgegeben. Bei der Übersetzung hat auch Oberstudienrat Dr. Otto Gaupp vom Spohngymnasium mitgewirkt.
Durch die Versetzung von Max Caspar wurde die Sternwarte nur sporadisch benutzt, da sich kein Lehrer bereiterklärt hat Arbeitsgemeinschaften anzubieten. Im Krieg musste sie ganz geschlossen werden und wurde zu einem Lagerplatz degradiert. Seit 1956 werden an der Schulsternwarte wieder astronomische Arbeitsgemeinschaften abgehalten. Bis 1983 hat Herr Weiger die Schulsternwarte geleitet dem ich alle obigen Angaben verdanke. Es wurde mit dem Refraktor hauptsächlich die Sonne beobachtet.
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3 Meter Kuppel der Gymnasiums in Ravensburg von 1914 (heutige Ansicht). Der Refraktor 110/1650mm von Zeiss 1914, stand in der Kuppel bis 2004
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| Oberschwäbische Sternfreunde
In meiner Gymnasiumszeit habe ich die Sternwarte etliche Male besucht. So war ich von der Astronomie angehaucht. Ich wurde Mitglied in der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und in der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft (SAG). Auf der Generalversammlung der SAG am 1.5.1966 in St. Gallen stand ein Herr bei einer Diskussion auf und sagte: Er sei ein deutsches Mitglied der SAG...... Es stellte sich heraus, dass der Herr aus Friedrichshafen ist. Von Herr Wiedmann, so hieß der Herr, bekam ich eine Einladung zu einem Vortrag von Herrn Rohr, Generalsekretär der SAG, nach Friedrichshafen. Nach dem sehr guten Lichtbildervortrag sagte Herr Wiedmann: Wer großes Interesse an der Astronomie habe, der soll am Mittwoch nächster Woche (Mai 1967) in das Hotel Krone nach Friedrichshafen kommen. Ab da waren die Oberschwäbischen Sternfreunde geboren. Wir trafen uns dann regelmäßig einmal pro Monat. Bei den Treffen waren immer 10 bis 15 Sternfreunde anwesend. Da Teilnehmer aus ganz Oberschwaben dabei waren, wurden die Zusammenkünfte mal in Ravensburg, Friedrichshafen, Altshausen, Überlingen, Biberach und Waldsee gemacht. Die Organisation übernahm ich. Nach meinem Umzug 1970 nach Bonn übernahm die Organisation der monatlichen Treffen Herr Wiedmann aus Friedrichshafen. Ab Mitte 1971 übernahm Herr Andreas Ackermann aus Altshausen. Von 1970 bis 1977 machte Frau Lydia Heim aus Genhofen/Lindenberg den ganzen Schriftverkehr. Durch den Tod von Herrn Ackermann am 24.07.1977 war das auch das Ende der Oberschwäbischen Sternfreunde. Wir waren nie ein eingetragener Verein und trotzdem lief alles gut.
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Rudolf Ackermann, der Sohn von Andreas Ackermann
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Meeting der Oberschwäbischen Sternfreunde in Ottobeuern von 1971
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Oberschwäbische Sternfreunde Tagungen
Bei solch einem Treffen, es war im November 1967 im Deutschen Kaiser in Ravensburg, machte ich den Vorschlag, wir könnten doch auch einmal eine große Amateurtagung in Ravensburg abhalten. Diese Anregung wurde sofort begeistert aufgenommen.
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| Die 1. Oberschwäbische Sternfreundetagung war dann am 21. und 22. Mai 1968 am Samstag im Gasthaus „Kuppelnau“ und am Sonntag ein Besuch im Radio-Astronomischen Institut der Uni. Tübingen Außenstelle Weissenau. Die Außenstelle existiert heute nicht mehr. Die 2. Tagung war auch wieder Samstag und Sonntag am 3. und 4. Mai 1969 im Gasthof „Bärengarten“ in Ravensburg. Zu dieser Veranstaltung hatten wir am Freitag um 20 Uhr einen öffentlichen Vortrag vorangestellt, der sehr gut besucht war. Zur Tagung hatten wir 43 Besucher. Am Sonntag war ein Vortrag aus heutiger Sicht sehr bemerkenswert, von Herrn Georgi von der Ingenieurschule Ravensburg „Elektronenrechner und Amateur“. Am 24. Mai 1970 war die 3. Tagung im Gasthaus „Mohren“ in Ravensburg. Wir machten sie nur einen Tag. Trotzdem waren 55 Teilnehmer anwesend. |
Herr Rohr im Tagungslokal Bärengarten 1969
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Alle weiteren Tagungen fanden im Gasthaus „Mohren“ in Ravensburg statt. Die 4. Tagung am Sonntag 25. April 1971 mit 45 Teilnehmer. Zwischendurch gab es noch am Samstag 12. März 1972 ein Sternfreunde-Meeting in Altshausen bei Ackermanns mit etwa 20 Teilnehmer. Die 5. Tagung war am 23. April 1972 mit 70 Sternfreunden. Die 6. Zusammenkunft am 25.11.1973 war überschattet durch den autofreien Sonntag (Ölkriese). Trotzdem hatten wir noch 35 Besucher. 1974 war keine Tagung. Die 7. Tagung war am 22. Juni 1975. Hier wurde am Samstag den 21. wieder ein Besuch der Radio-Astronomischen Station in Weissenau möglich.
Bei allen Tagungen konnten wir auch Sternfreunde aus Österreich und der Schweiz begrüßen. Somit waren wir eigentlich International. Prof. Walter von der Uni. Tübingen hat uns mit seinen Vorträgen sehr unterstützt. Die Herren Fritz Flaig, Konstanz; Anton Kutter, Biberach; Klaus Meisenheimer, Altshausen; Prof. Richard Mühleisen, Weissenau; Bruno Müller, Überlingen; Günther Müller, Ravensburg ab 1970 Bonn; Dr. h. c. Hans Rohr, Schaffhausen; Dr. Hans Urbarz, Weissenau; Prof. Max Waldmeier, Zürich und Peter Wüst, Überlingen haben bei den Tagungen mehrmals vorgetragen. Was mir persönlich sehr wichtig war, dass genügend Zeit zur Diskussion nach den Vorträgen vorhanden war und Abends das gemütliche Beisammensein. Es entstanden Freundschaften die noch bis heute halten.
Günther Müller im Januar 2007
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| Alles nur ein Zufall?
Ende September 2006 begann der alljährliche VHS Kurs von Lutz Laepple in Waldburg. Unter anderem nahmen Günther Müller und Carsten Przygoda daran teil. „Ich wollte mal hören, ob es etwas Neues gibt“, waren die Worte von Günther Müller auf die Frage von Lutz Laepple, was ein „alter Hase“ in einem Kurs, für Einsteiger in die Astronomie und Beobachtung des Sternenhimmels, macht? Auf dem monatlichen Treffen des Astronomischen Arbeitskreises Waldburg Weingarten e.V. haben sich dann Carsten Przygoda, Reinhold Reichle und Jochen Herrmann kennen gelernt. Bei unserem ersten Treffen im Amboss in Grünkraut, zu dem auch Günther Müller eingeladen wurde ging es in erster Linie um die digitale Astrofotografie. Aus diesem Treffen haben wir einen Stammtisch gemacht, der sich jetzt jeden dritten Freitag im Monat im Ambos in Grünkraut trifft. Daraus ist auch die Idee gewachsen das Ravensburger Teleskoptreffen wieder aufleben zu lassen. Wir planen auch Weitere Aktivitäten, wie eine Exkursion zum Chiemgau Kometeneinschlag oder Besuch von Messen, Tagungen oder anderen Sternwarten.
Carsten Przygoda im Februar 2007
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Die Tradition wird fortgeführt.
Seit September 2006 treffen wir uns immer im Gasthof Amboss in Grunkraut, zuerst immer am dritten Freitag im Monat und ab 2008 jeden zweiten Freitag im Monat. Es werden bei unseren Treffen astronomische Ereignisse besprochen, neue Ausnahmen präsentiert und über Teleskop-Tuning gesprchen. Neben dem harten Kern um die Organisatoren Carsten, Günther, Jochen und Hans-Jürgen besuchen uns immer wieder interessierte Astronomen aus der nahen und fernen Umgebung. Im Oktober 2007 fand dann das erste Ravensbruger Teleskoptreffen statt, welches sehr gut besucht wurde. Und wir haben uns nach dem Erfolg entschlossen 2008 ein weiteres Treffen zu machen..
Carsten Przygoda im Juni 2008
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